Warum Schalke nicht Meister werden darf
Sonntag, 28. März 2010Vielleicht bin ich zu konservativ, vielleicht habe ich eine zu altmodische Sicht auf den Fußball. Vielleicht verirre ich mich mit meinen Gedanken über ethische Aspekte im Fußball. Ich habe nur gelegentlich den Eindruck, wenn ich selbst im Fanblock stehe, dass die Menschen um mich herum mit einer Leidenschaft zu ihrer Mannschaft verbunden sind, die selten ist. Deswegen hat dieses Fußballgeschäft auch eine gesellschaftliche Verantwortung.
Diese Verantwortung wird obsolet, wenn Schalke 04 deutscher Fußballmeister 2010 werden würde.
Ich will nicht, dass Schalke 04 Meister wird, ich will es aus ethischen Gründen nicht.
Schalke ist seit Jahren offenbar nicht mehr sonderlich liquide. Es lebt unter anderem vom Geld des russischen Gaskonzerns Gazprom. Es lebt vom Geld des Instruments eines autokratischen Regimes. Russland ist keine Demokratie. Und das System Putin wird auch abgesichert durch Gazprom. Der Konzern stützt Schalke aus Imagegründen. Und Schalke macht mit, spielt das Spiel der Autokraten, um erfolgreich zu sein.
Schalkes Trainer Felix Magath scheint mittlerweile für viele Sportjournalisten und angebliche Fußballexperten ein Säulenheiliger zu sein. Den kleinen VfL Wolfsburg zum Meister gemacht, und nun mit den Schalkern auf dem Weg zum nächsten Coup. Vom „Magier Magath“ sprach zuletzt Rolf Töpperwien in seinem Spielbericht.
Ja, dieser Magier Magath hatte mal in einer längst vergangenen Zeit eine Fackel in der Hand getragen und war Teil des chinesischen Propagandazuges über den Globus für die olympischen Sommerspiele in Peking. Dieses Mal war der jetzige Schalker Trainer (damals noch in Wolfsburg) der nützliche Idiot einer Diktatur und war sogar noch stolz darauf. Auch damals ging es um Erfolg – den Erfolg des Volkswagenkonzerns auf dem chinesischen Markt. Und Magath durfte sich über weitere Millionen freuen, die er in seine spätere Meistermannschaft investieren konnte. Tatsächlich wagte es das NDR-Medienmagazin “Zapp” Magath auf ethische Gesichtspunkte seines Fackelzuges anzusprechen, worauf der gewiefte Fuchs natürlich jede Antwort verweigerte und der Wolfsburger Pressesprecher in bester chinesischer Tradition dem Reporter und seinem Team drohte.
Insofern passen Magath und Schalke gut zusammen. Für den Erfolg haben beide jegliches ehtisches Bewusstsein verloren. Wenn Heckler und Koch morgen mehr zahlt als Gazprom, dürfte der Waffenkonzern wohl bald auf dem Schalker Trikot werben. Passend dazu steht der Schalker Gönner, Geldgeber und Aufsichtsratschef Clemens Tönnies mit seinem Fleischkonzern andauernd in der Kritik. Er zahle zu wenig, werfen ihm Gewerkschaftler vor. Auch Steuerfahnder finden die Praktiken von Tönnies Konzern nicht ganz koscher.
Im Herbst stand es um Schalke finanziell zumindest nicht gut, da kam ein Geschäft mit der städtischen Gesellschaft für Energie und Wirtschaft (GEW) gerade recht, das Schalke 25,5 Millionen einträgt. Gelsenkirchen ist eine der höchstverschuldeten Städte in NRW. Schalkes Schulden wurden von einer Stadt übernommen, die also selbst hochverschuldet ist. Einen Taschenspielertrick könnte man das nennen, aber der DFL hat es wohl zur Lizenzsicherung gereicht. Dass Schalke dann gleich mal neun neue Spieler in der Winterpause verpflichtet hat, war auch nicht weiter von Interesse. Vielleicht hatte sich die DFL da schon mit Bielefeld beschäftigt, die wegen Lizenzverstößen vier Punkte abgezogen bekommen. Die Bielefeld-Lobby ist bei der DFL sicherlich nicht so stark, wie die Schalke-Lobby. Ausgerechnet Felix Magath beklagte sich aber neulich, dass Schalke keine Lobby im deutschen Fußball habe. Würden im deutschen Fußball konsequente Bilanzregeln gelten, hätte Schalke keine Lizenz für die Fußballbundesliga. Aber das ist ja zu vernachlässigen, wenn es um den genialen Schachspieler Magath geht.
Wenn Schalke Meister wird, freuen sich alle, weil es die Bayern mal wieder nicht geworden sind. Und Sportjournalisten werden Magath die zeitgeschichtliche Bedeutung von Helmut Schmidt und Konrad Adenauer einräumen. Und all die ehrlichen leidenschaftlichen Fans werden in ihrem Bayernhass übersehen, dass Schalkes Meisterschaft die ethische Bankrotterklärung für die Bundesliga ist. Sie ist dann nur noch Geschäft.
Mir fällt viel ein, was ich Uli Hoeneß vorwerfen könnte. Er hat das Geld der Bayern aber auch ohne Diktaturinstrumente verdient. Er hat sich auch keiner Diktatur als Werkzeug angeboten. Und hätte er es gemacht, hätte er wahrscheinlich dazu gestanden.




